Bodhimandala

Meditation und Vortrag jenseits von Religion, Tradition und spiritueller Autorität

"Der sinnvollste Vortrag über Meditation ist jener, bei welchem wir zusammen meditieren. Dann spricht die Meditation mit der Sprache der Stille unmittelbar zu uns und es bedarf keines Vermittlers, der diese Sprache übersetzt."

„Meditation - Sitzen ohne Ziel?!" - dies ist ein besonders schönes Thema, weil es uns hilft, unseren Drang zu durchschauen, Meditation mit Zielen zu verbinden. Wir müssen und dürfen diesen Drang verstehen, warum wir glauben, durch die Meditation etwas Bestimmtes werden zu müssen und uns und andere damit unter Druck setzen.
Wie viele andere Themen, die uns beschäftigen, ist auch dies ein Thema, welches eine offene Frage bleiben wird und nicht abgeschlossen und abgehakt werden kann. Es ist eine der kostbaren Fragen, deren Antwort im Offenlassen der Frage liegt. Auch deshalb, weil sie untrennbar verbunden ist mit der Frage nach der Vermählung von Form und Leere, Weg und Nicht-Weg, Tun und Nicht-Tun.
Oft lesen und hören wir, dass es nichts zu erreichen gebe, und mitunter machen wir selbst diese Erfahrung. Wenn dies so ist, wie es scheint: Warum dann meditieren oder sonst eine spirituelle Praxis pflegen?
Als erstes sollten wir uns fragen: Können wir wirklich wissen, dass es nichts zu erreichen gibt? Oder dass es etwas zu erreichen gibt? Entspringen die Erfahrungen und Worte anderer einer zuverlässigen Quelle? Ist es wirklich so starr entweder-oder? Und was ist es, welchem es nicht behagt, ein Ziel oder kein Ziel zu verfolgen?
Auf die Frage, ob Sitzen oder Meditation ohne Ziel möglich ist, gibt es so viele Antworten, wie es Menschen und Konzepte gibt. Wahrscheinlich ist die Frage so alt wie die Menschheit und ihrer Mystik und Religion. Nehmen wir die Philosophie des Zen-Buddhismus: Hier gibt es die Unterscheidung zwischen dem Rinzai-Zen mit der These von der plötzlichen Erleuchtung und dem Soto-Zen mit dem Konzept der allmählichen Erleuchtung und des „Einfach sitzen". So wird versucht, dieses seit je her unlösbare Mysterium des „weglosen Weges" in Worte, Systeme und Konzepte zu kleiden.
Wir müssen uns für keine der Antworten entscheiden, müssen unseren Weg nicht einbetonieren, um seine Wildheit und sein abwechslungsreiches Fließen zu verstehen. Auch ein Fluss staut sich mal, dann wieder rauscht er schnell zum nächsten Staudamm oder fällt mit Getöse einen Abhang herunter; mal ist er enger, mal breiter - und manchmal dümpelt er vor sich hin, scheint gar still zu stehen oder im See angekommen zu sein.
Können wir in gleicher Weise auf die Praxis der Meditation schauen und liebevoll sehen, wie der Fluss seinen Lauf nimmt? Es stört mich in der heutigen Zeit, dass es in der spirituellen Welt so eine Art Anzeichen von Erfolg ist, wenn man sagt: „Ich habe keine Ziele mehr und die Suche hat aufgehört." Das hört sich zuweilen an wie: „Ich habe ein Auto, ein Haus und ich suche nicht mehr." Wie ein Siegel der Bestätigung, dass man es geschafft hat, dass man etwas gewonnen hat im Gegensatz zu jenen verirrten Seelen, die „noch" auf der Suche sind und Ziele haben. Das Leben wird immer ein Wunder bleiben, geschmückt mit Wegen, Zielen und Überraschungen.
Was verbirgt sich hinter der Aussage: „Ich suche nicht mehr"? Ist es nicht so, dass sich im Laufe derZeit einfach nur die Art und Herangehensweise der Suche verändert hat? Ist die Suche wirklich zu Ende? Muss sie an einem Ende sein? Warum ist diese Betonung so wichtig geworden in der Spiritualität der vergangen Jahre und in heutiger Zeit? Es sprießen Richtungen und Lehrer wie Pilzeaus dem Boden, die alle verkünden, dass es nichts zu suchen oder zu erreichen gebe, dass jede Praxis sinnlos sei.
Auf der anderen Seite steht natürlich noch die alte Schule, die verkündet, dass nur durch Anstrengung etwas zu erreichen sei. Warum ist es uns so wichtig, uns zu positionieren, einem Staat, einer Gruppe oder einer Richtung anzugehören? Dient es nicht dazu, uns von anderen abzugrenzen? Und ist die Basis der Abgrenzungnicht die Angst?
karim